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WBV Ausflug

WBV Viechtach war am Starnberger See

Waldbauern erhielten spannende Einblicke in eine Waldwirtschaft der besonderen Art

Von Herbert Fuchs

Ein Bus voller wissbegieriger Waldbesitzer aus dem WBV-Bereich Viechtach hat sich am Samstag bei typisch bayerischem Reisewetter, mal Sonne, mal Wolken, auf den Weg ins Oberbayerische gemacht. Ziel der traditionellen Lehrfahrt war das Gut Ilkahöhe am Nordufer des Starnberger Sees. Hervorragend organisiert hatte die Exkursion der forstliche Koordinator Thomas Kapfhammer gemeinsam mit seiner WBV-Kollegin Antonia Seidl.

Am historischen Gut begrüßte der zuständige Förster die Gäste aus dem Bayerischen Wald mit viel Fachwissen, trockenem Humor und manch unterhaltsamer Anekdote. Das rund 450 Hektar große Gut liegt auf einer Seehöhe von 450 bis 730 Meter, im Gemeindeteil Oberzweismering der Gemeinde Tutzing oberhalb des Starnberger Sees. Es besteht aus etwa 100 Hektar Grünland in großen Weiden sowie 350 Hektar Wald. Während die Wiesen überwiegend verpachtet sind, wird der Wald mit seinen rund 64 Prozent Fichtenanteil nach wie vor in Eigenregie bewirtschaftet.

Dass ein Förster auf einem solchen Gut weit mehr ist als nur Waldexperte, machte der Verwalter gleich zu Beginn deutlich. Mit einem Augenzwinkern erzählte er von seinem Dienstantritt vor 30 Jahren, als der damalige adelige Gutsherr noch ganz nach alter Schule regierte. Wer zum Essen eingeladen wurde, hatte selbstverständlich mit Krawatte zu erscheinen und der Förster „durfte“ das Menü sogar vorkosten. Da staunten die Besucher aus dem Bayerischen Wald nicht schlecht.

Nicht weniger beeindruckend war der Rundgang durch die gewaltigen Wirtschaftsgebäude. Die Hallen mit insgesamt rund zweimal 100 Metern Länge dienen heute unter anderem als gefragte Unterstellplätze für Wohnwagen und Bootsanhänger der Starnberger-See-Besitzer.

Weniger erfreulich seien dagegen manchmal die Umgangsformen mancher Erholungssuchenden, meinte der Förster schmunzelnd. Nicht jeder Tourist halte sich an Wegegebote oder Betretungsverbote, schließlich fühle sich so mancher zur Oberschicht zugehörig.

Mit großem Interesse verfolgten die Waldbesitzer auch die Pläne für einen 36 Hektar großen Bestattungswald. Diese Form der letzten Ruhestätte erfreue sich wachsender Beliebtheit. Die Vorbereitungen hierfür laufen, wenngleich dafür noch einige Genehmigungen und Vorarbeiten nötig sind. Dass dieses Thema inzwischen auch im Bayerischen Wald angekommen ist, bestätigten die Teilnehmer. Erste Anfragen gebe es bereits.

Fachlich wurde es anschließend bei der Waldbewirtschaftung. Rund die Hälfte der heutigen Waldflächen wurde erst in den vergangenen fünf Jahrzehnten mit Fichte aufgeforstet. Die Arbeiten erfolgen überwiegend mit Vertragsunternehmern. Für Wärme sorgt eine leistungsstarke Hackschnitzelheizung mit 300 Kilowatt, deren Jahresbedarf von rund 600 Schüttraummetern Holz bequem in einem riesigen Lagerbunker Platz findet. Zusätzliche Einnahmen stammen aus Ökopunkten, Vertragsnaturschutz sowie staatlichen Förderprogrammen.

Ein entscheidender Baustein für den erfolgreichen Waldbau ist jedoch die Jagd. Mehr als 100 Rehe müssen jährlich auf 650 Hektar jagdbarer Fläche entnommen werden, damit junge Bäume überhaupt eine Chance haben. Daneben gehören eine Streuobstwiese, eine stattliche Bienenzucht und sogar ein fest reserviertes Brennkontingent bei einer Obstbrennerei zum vielseitigen Betriebskonzept des Gutes.

Zum Abschluss der ebenso informativen wie kurzweiligen Führung bedankte sich WBV-Vorsitzender Josef Aichinger aus Achslach mit einem kleinen Präsent bei dem Förster und Gutsverwalter. Die Teilnehmer traten mit vielen neuen Eindrücken die Heimreise an.

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